Zeithonorarabrechnung, aber (juristisch) richtig

Die Zeithonorarabrechnung setzt richtige Zeiterfassung voraus. Als Regel gilt, dass die Anwaltskanzlei als Wirtschaftsunternehmung Zeit x Kompetenz x h-Satz/€ verkauft; je höher die Kompetenz, umso höher der Stundensatz, und je mehr Stunden, umso höher der Umsatz. In der Automobilindustrie ist man hier schon weiter, man verkauft „Arbeitseinheiten“, und ist dadurch de facto wieder zum Pauschalpreissystem zurückgekehrt und kann durch Prozessoptimierungen Umsätze erhöhen. Anwälte sind noch nicht auf diese Idee gekommen (resp. haben das falsche Preissystem), in dem sie nur „tatsächlich notwendige“ Aufwände verrechnen dürfen. Und so streitet man sich natürlich gerne einmal darüber, was denn wohl ein angemessener Zeiteinsatz ist. Das betrifft, schon den Beginn der Mandatsarbeit, und der Kollege Ritter aus Berlin hat einmal zusammen getragen, was das denn wohl für das Durchlesen der von Mandanten übergebenen Unterlagen (Beispiel: 50 Seiten) bedeuten würde. Einserseits eine respektvolle Leistung, die Rechtssicherheit stiftet. Andererseits: Die richtige Zeiterfassung ist in Kanzleien oftmals weder dem Umfange nach, noch auch der inhaltlichen Beschreibung nach ausreichend. Die rechtlich richtige Bezeichnung im Einzelfall korrrekt einzugeben dürfte extrem schwer sein. Da hilft nur: gute Leistung erbringen, die der Mandant nicht in Zweifel zieht, und im Zweifel nicht streiten, sondern sich vergleichen. Bis die Anwaltschaft als Ganzes darauf kommt, dass sie möglicherweise das falsche Preissystem benutzt, welches keine Effizienz belohnt, wird wohl noch eine Zeit lang dauern. Zu lesen in NJW 16/2015, S. 1147f. – CHV

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