Steuerungsgrößen (KPIs) für Kanzleien – Heute in der Sesamstrasse der Buchstabe „L“

Haben Sie sich je gefragt, warum Buchstaben in der Sesamstrasse sich einer so großen Beliebtheit erfreuen? In dieser Serie befasse ich, Thorsten Zulauf, mich mit verschiedenen Steuerungsgrößen, den sogenannten (auf englisch) „R.U.L.E.S.“, jeder Buchstabe steht hier für eine Steuerungsgröße.
Heute will ich mich auf den Buchstaben „L“ konzentrieren, „L“ steht für den Leverage (=Hebel). Der Leverage beschreibt das Verhältnis angestellter Anwälte zu Partnern und wie dieser Hebel die Profitabilität beeinflussen kann.
Der Leverage ist mehrheitlich durch die Natur der Mandanten und die angebotenen rechtlichen Dienstleistungen bestimmt. Der Hebel ist in einer Bandbreite von Null in einer Ein-Personen-Kanzlei bis zu 10 und mehr in spezialisierten oder auf hohen, repetitiven Fallzahlen fokussierte Kanzleien anzutreffen. Je besser eine Kanzlei fähig ist, die Partner Ressourcen auf angestellte Anwälte zu „hebeln“, also die unternehmerische Fähigkeit zur Mandatsakquisition des Partners zu nutzen, desto höher ist der Einfluss auf die erzielbare Profitabilität, wenn andere, die Profitabilität beeinflussende Faktoren wie Auslastung, Stundensatz oder Ausgaben, konstant bleiben.
Da die Partnerzeit die wertvollste und limitierte Ressource einer Kanzlei ist, hat jede Möglichkeit, angestellte Anwälte (bei fachlicher und qualitativer Eignung) anstelle der Partner auf Mandaten arbeiten zu lassen, einen positiven Einfluss auf die Profitabilität, da auch gleichzeitig Zeit verfügbar gemacht wird für die Pflege und die weitere Entwicklung der Mandantenbeziehungen. Dies muss einhergehen mit der Übernahme von Verantwortung durch die Partner für die begleitende Kommunikation zu den Mandanten und die Etablierung von Prozessen, die die nachhaltig hohe Qualität absichern. Weiterhin dient die Delegation von Aufgaben zu den angestellten Anwälten auch als Personalentwicklungsprogramm, was zu zufriedenen Angestellten führt. Natürlich gilt in Krisenzeiten auch das Gegenteil: der mit einem hohen Leverage einhergehenden Fixkosten wirken bei Umsatzeinbrüchen als „Verlusthebel“; daher gilt es, ständig ein Auge auf die Auslastung zu haben; sinkt diese, muss schnell korrigiert werden durch Freisetzung von Mitarbeitern. Also gut organisierbar gilt in Deutschland ein Verhältnis von 1 Partner zu maximal 3 angestellte Mitarbeiter. Interessanterweise haben sehr hoch qualifizierte Anwälte meist eher ein niedriges Leverage, aber dafür sehr hohe Stundensätze.
Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass der Leverage ein Hebel für die Erhöhung der Profitabilität zur Verfügung steht, den auch viele Kanzleien schon nutzen. Dieser ist je nach Art der Mandate, die die Kanzlei bearbeitet, erhöhbar.
Thorsten Zulauf

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