geschrieben am 25.11 2011

Zur Juve Meldung vom 24.11.2011

Diese Entscheidung erscheint folgerichtig in den Augen der angelsächsischen Kanzlei: Sie ist wie ihre Wettbewerber auf dem kleinen englischen Heimatmarkt zu sehr in ihren Möglichkeiten beschränkt, und kann, auf dem Rücken der weltweiten Anwendung von UK-Recht in allen größeren Transaktionen (meist ab 250.000.000 EURO) weltweit tätig werden. Gleiss Lutz kann das nicht; sie ist im wesentlichen auf deutsches Recht beschränkt, und wenn ihre Anwälte auch schon heute in internationalen Transaktionen tätig sind, in denen primär UK oder US Recht angewendet wird, so ist es dennoch nicht ihre Kernkompetenz. Dies ist die gleiche Grundfrage, die deutsche Kanzleien schon in 2000 zu beantworten hatten, als die Mergerangebote postkorbweise in deutschen Kanzleien hereinschneiten.
Die einzige Konsequenz war: Angelsächsische Kanzleien bekamen einen Fuß in den deutschen Markt und haben über 50 % des Umsatzkuchens aller Top 50 Kanzleien auf sich vereinigen können. Dabei können deutsche Anwälte in dieser Kanzlei zwar immer auch noch deutsches Recht anwenden, und tun das, auch weil der internationale Umsatzanteil zwischen 10 und 50 % je nach Kanzlei schwankt.

Aber die Partner der Kanzlei Oppenhoff, die sich unter starken Kämpfen 1999 für den Merger mit Linklaters entschieden haben (der Kölner Teil war damals der Treiber) und die nun wieder ausgeschieden sind und ihr eigenes Geschäft verfolgen, machen deutlich: die Arbeitszufriedenheit muss nicht unbedingt besser werden, auch wenn die finanziellen Rahmenbedingungen oftmals vorteilhaft sind. Aber die Rahmenbedingungen der Tätigkeit in einer angelsächsischen Kanzlei, in denen daran geglaubt wird, dass mit Management, Kontrolle und Messung bessere Ergebnisse erzielt werden, also mit gruppendynamischer Selbststeuerung, sind eben doch nicht immer vorteilhaft. Auch darüber war zu entscheiden und 10 Jahre nach dem Einfall der UK und US Firms haben die Partner wohl mehr in die Rechnung eingestellt.

Allerdings wird dies bedeuten, dass es für Gleiss Lutz nicht einfacher wird, denn ohne Anbindung an eine Top UK Firm wird es sehr schwer, die Marktstellung hierzulande aufrecht zu erhalten. Und davon gibt es keine mehr, die wirklich ausreichend Zugang zu den Financial Markets hat. Das wird daher wohl noch Kopfschmerzen machen.