Rückkehr der "Stempelanwälte"
Verrückte Welt: Der "Stempelanwalt", der vor Ort saß und die Unterlagen eines Kollegen nur zu „stempeln“ hatte, um die gerichtlicher Vertretung am LG an dem nur er zugelassen war zu vertreten, kommt, so scheint es, in neuem Kleid daher:
Internationale Großkanzleien können ihre Stundensätze, insb. in „scheinbar niederwertigeren“ Angelegenheiten nicht mehr durchsetzen.
Mandanten gezwungen, billigere Anwälte, evtl. einheimische Kräfte einzusetzen. Dies betrifft etwa Magic Circle Kanzleien in China, in Angelegenheiten wie Due Diligence etc. Das ist insofern überraschend, als dass die Reputation dieser Kanzleien gerne eingekauft wird... aber bei den Kosten soll es dann auf einmal günstig machbar sein.
Die Kanzleien, die sich darauf einlassen, werden schnell gezwungen sein, eigene Mitarbeiter vor Ort abzubauen oder „Tochterfirmen“ zu gründen (etwa LPOs), um diesem Preisdruck standzuhalten. Alternativ: sie fokussieren sich auf den hochwertigen Teil und lassen ihr altes Geschäftsmodell hinter sich. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn die ganzen Systeme, Incentives, Kennzahlen etc. steuern in eine andere Richtung. Wer hier keinen radikalen „CHANGE“ beginnt, könnte morgen ein wirtschaftliches Problem haben.

