Des Kaisers neue Kleider
Des Kaisers neue Kleider
Die Krise offenbart es: Partner in einer Großkanzlei können - nicht anders als andere Arbeitnehmer - gekündigt werden. Ihr „Partnerstatus“, für den sie meist hart arbeiten mussten, ist nichts mehr Wert. Das künstliche „unsichtbare Gewand“ der anwaltlichen Unabhängigkeit, in dem sie sich innerhalb der Kanzleien und nach außen hin zu zeigen meinen – nichts als Schein. Wie einst der Kaiser, der meint, er habe ein besonderes Gewand an und der in Wirklichkeit in Unterwäsche durch die Stadt läuft.
Diese Entwicklung ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, in der sich die großen angelsächsischen Kanzleien weg von traditionellen Partnerschaften hin zu zentral geführten Unternehmen gewandelt haben. Dieser Weg wird immer wieder als Notwendigkeit dargestellt; dabei gibt es auch andere Kanzleien, solche, die ohne Sozietätsvertrag mit Handschlag Associates zu Partnern machen (Kanzlei A: 370 Partner, 800 Angestellte insg. weltweit an 15 Standorten; Kanzlei B: 200 Partner an 12 Standorten), die auf Konsens statt Anordnung durch ein Management abstellen.
Wir beobachten, dass sich daraus unterschiedliche Marktpostionierungen und Strategien ergeben, die weitreichende Konsequenzen auch für Qualität der Dienstleistung und Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells haben. Die Entwicklung der Großkanzleien aus der Anwaltschaft heraus in die gewerbliche Ecke darf aber nicht den Berufsstand als Ganzes beschädigen. Hier muss gehandelt werden.

