Das Ende der "Billable hour"-Kultur?
Viel wurde über Versuche, von der billable hour Kultur weg zu kommen, geschrieben. Zuletzt, am beeindruckendsten, zwei Senior-Juristen, einer aus der Anwaltschaft, einer aus dem Unternehmen. (http://www.law.com/jsp/article.jsp?id=1202433261281&hbxlogin=1).
Zugleich sind in vielen Kanzleien die Systeme, das Denken und damit die Kultur so stark auf billable hours abgestellt, vom Auslastungsmonitoring über Boni, von den langjährigen Honorarvereinbarungen, die (glücklicherweise) nicht mehr zu diskutieren waren und daher ein dauerndes Mandatsverhältnis ermöglicht hatten, bis hin zu der eigenen Arbeitsorganisation.
Diese Kultur der abrechenbaren Stunden, nachdem der Wert eines Juristen in einer Kanzlei gemessen wird, ist so stark, dass echte Veränderung im Sinne von Muster- und Verhaltensveränderungen, ja sogar "Werte"-Verschiebungen notwendig sind. Dies fällt vielen Kanzleien schwer. Dennoch: es lohnt den Weg; zum Einen, weil es die Anwälte wieder auf die wirklich wichtigen Themen fokussiert, zum zweiten, weil die Profitabilität dann mehr von Leistung und Qualität abhängen wird, statt von Auslastung und Papierproduktion.
Der "Change" von der einen zu anderen Kultur, und sei es nur in Teilbereichen der Kanzlei, verlangt nach einer "Veränderungskultur", die manchmal erst gelernt werden muss. Stabiles Projektmanagement, Umgang mit den Unsicherheiten und Ängsten, die in Veränderungsprozessen immer auftauchen, und schließlich Absicherung der Verhaltensveränderungen sind notwendig.
Wenige Kanzleien beherrschen das. So wird es zu Abspaltungen, Teamtrennungen, Krisenmergern und Streitereien kommen wird, über die Juve dann berichten wird. Nur jene Kanzleien, in denen die Partnerschaft sich diesen Themen bewusst stellt, wird es ein Prozess sein, der sie zu den Siegern von morgen macht.

